07.03.2013

Hillsong UNITED im Interview Das größte Abenteuer: Mit Jesus unterwegs sein

„Hillsong UNITED“ gießen ihre Leidenschaft für Gott in Schallwellen. Joel Houston, JD und Matt Crocker erzählen im Interview über die Entwicklung des Albums „Zion“ und wo sie aktuell als Band stehen.

Nach euerm letzten Studio-Album „Aftermath“, habt ihr euch eine Auszeit gegönnt und neu darüber nachgedacht, was ihr eigentlich tut und was es euch bedeutet, Teil der Gemeinde zu sein. Was ist das Ergebnis?

Joel: Ich denke, dass es immer gut tut, eine Pause einzulegen, egal was man tut. Wir haben immer noch eine Leidenschaft für das, was wir tun und wozu wir gehören. Manchmal steht man allerdings in der Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Während man versucht, sein Bestes für Gott zu geben, kann man vergessen, in seiner Gnade zur Ruhe zu kommen. Wir haben uns also eine Auszeit genommen und waren dadurch in der Lage, neu zu beurteilen, was wir eigentlich tun und warum wir es tun. Wir haben uns wieder für den Sinn und die Ziele unserer Arbeit sensibilisiert. Daraus ist „Zion“ entstanden. Wir wollten noch bessere Lieder schreiben. Wir wollten sicherstellen, dass sie auch inhaltlich absolut stark, wahr und rein sind. Jeder Teil des Projektes sollte dem größeren Ganzen, unserer von neuem gefestigten Identität, entspringen. Natürlich ist es so, dass man zwar versuchen kann, einen detaillierten Plan aufzustellen und zu befolgen, aber ganz so läuft es meistens doch nicht ab. Vielmehr war es so, als ob Gott immer wieder in den Prozess eingegriffen hat, bis die einzelnen Puzzleteile letztendlich ein einheitliches Bild ergaben. Und das ist eigentlich auch das Beste an der ganzen Sache: Man spürt tatsächlich, dass Gott eine wesentliche Rolle darin gespielt hat. Das heißt nicht, dass das Album perfekt ist. Vielmehr glaube ich, dass es uns die Möglichkeit geboten hat, alles zu geben. Und mehr können wir auch nie tun. Ich glaube nämlich, dass Gott von uns Menschen nicht erwartet, dass wir ein perfektes Leben führen. Er sucht nicht nach Menschen, die ihr Leben im Griff haben. Vielmehr wünscht er sich von uns, dass wir ihm unser Bestes geben. Was er dann tut, geht weit darüber hinaus. Und es ist etwas großartiges, ein Teil seines Plans zu sein.

Ihr möchtet nach Gottes Willen leben. Welche Bedeutung hat dies für euch und warum scheint dieser Wunsch so wichtig zu sein?

JD: In allem was wir tun sind wir einfach so dankbar, dass Gott uns in seiner Gnade geliebt hat und für alles, was Jesus am Kreuz für uns getan und möglich gemacht hat. Als natürliche Reaktion darauf, wollen wir ihm auch viel zurückgeben. Wir möchten unser Bestes geben, um die Nachricht von Jesus nach draußen zu tragen: die Botschaft, die davon handelt, wer er ist, was er für uns getan hat und was er für jeden Menschen tun kann. Wir wollen nicht für uns selbst leben. Wir wollen für ihn leben. Und das ist auch der Kern unserer Botschaft bei Hillsong. Alles was wir tun entspringt dem. Wir möchten unser Bestes geben, um Jesus zu verherrlichen. Ich denke, dass die Leute das an uns sehen können. Wir wollen ein möglichst genaues Bild davon malen, wer Jesus eigentlich ist und wie großartig sein Plan mit jedem einzelnen Menschen ist. Ich hoffe, dass unsere Bemühungen dazu beitragen, dass Menschen ermutigt werden, das Ziel zu erreichen und das Potential auszuschöpfen, das Gott in sie hineingelegt hat.

Warum habt ihr euer Album „Zion“ genannt? Was steckt für euch in diesem Titel?

Joel: Von Anfang an war es unser Anliegen, die Geschichte Gottes zu thematisieren und herauszufinden, welchen Platz wir, die wir im Jahr 2013 leben darin einnehmen. Es ist überwältigend, sich dessen bewusst zu werden, wie Gott alles in seinen Händen hält – von der Schöpfung bis hin zu der Zeit, in der er alles neu machen wird. Wenn wir darin unsere Rolle verstehen, dann gibt es uns unheimlich viel Kraft und Ermutigung, um hier und jetzt leidenschaftlich für Gott zu leben. „Zion“ ist ein interessanter Titel. Er bezeichnet den Wohnort Gottes. Gleichzeitig spricht er auch von der Stadt Gottes und seinem Volk, das wir sind. Ob wir jetzt in Australien, in Deutschland oder sonst irgendwo auf der Welt sind, wir sind Teil einer unglaublichen Bewegung und das ist die Gemeinde Jesu Christi. Ich bin überzeugt, dass Gott sein Königreich jetzt schon in uns aufrichten möchte. Es geht also nicht darum, die Zeit hier auf der Erde abzusitzen, bis wir irgendwann in den Himmel entrückt werden und dort dann feiern können. Vielmehr können wir das jetzt schon leben, denn Gott schafft schon jetzt neue Dinge in uns.

Welches ist euer persönliches „Zion“-Lieblingslied und warum?

JD: Stay And Wait mag ich sehr gerne. Eigentlich mag ich sie alle. Aber in diesem Lied geht es insbesondere darum, dass wir alle mit Fehlern behaftet sind. Wir sind Menschen, wir versagen, wir stehen in Versuchungen und wir erleben Zeiten, in denen wir alles hinschmeißen möchten. Aber dieses Lied gibt unserem Glauben in solchen Situationen besonderen Ausdruck. Wir werden nie aufgeben. Wir werden uns nie zurückziehen, ganz egal mit was wir konfrontiert werden. Wir Menschen werden oft umhergetrieben von unseren Gefühlen in einem Kampf, in dem wir uns bewusst zu dem Kreuz halten müssen. Emotionen sind keine verlässliche Basis dafür. Es muss eine Entscheidung fallen, die darin gegründet ist, wer Jesus ist. Denn nur daran wird sich nichts verändern. In diesem Sinne ist das Lied etwas ganz besonderes für mich.

Joel: Mir fällt es schwer, mich für ein Lieblingslied zu entscheiden. Jedes Lied hat so seine Geschichte, die auf ihre eigene Art und Weise bedeutsam ist. Mercy Mercy hebt sich mit seiner Geschichte für mich von den anderen ab. Aber dann denke ich beispielsweise an Scandal Of Grace oder Relentless ... Es ist einfach schwer sich für eines zu entscheiden. Ich mag sie alle. Würden wir sie nicht alle mögen, dann hätten sie es nicht auf das Album geschafft. Wir lieben sie alle.

Matt: Ich mag zwar Relentless sehr gerne, aber trotzdem möchte ich mich für Oceans entscheiden. Das ist das Lied, das momentan den meisten gefällt. Aber ich liebe es so, weil es so anders geworden ist, als das, was wir ursprünglich damit vorhatten.

Welche Geschichte verbirgt sich denn hinter den Liedern Oceans und Tapestry?

Matt: Wir haben relativ früh angefangen an Oceans zu schreiben. Das war noch ziemlich zu Beginn des gesamten Projekts. Zunächst hatten wir nur eine Idee, mit der wir gearbeitet haben. Die ganze Zeit schwebte uns das Wort „Oceans“ vor. Es sollte das Lied und seinen Inhalt in einen besonderen Kontext stellen, was dann auch tatsächlich so passiert ist. Allerdings hatten wir eine ganze Weile mit einer Schreibblockade zu kämpfen bis Joel und ich irgendwann entschieden, einen Freund mit dazu zu nehmen, der ein begabter Geschichtenerzähler ist. Sein Name ist Salomon. Er beschäftigte sich ein bis zwei Wochen damit und kam dann mit einigen neuen Ideen zu uns. Er nannte Petrus, der seinen Fuß auf das Wasser setzt und im Glauben Schritte über der Tiefe des Meeres geht. Dieser Gedanke schlug gleich bei uns ein, weil es sich auch sehr gut mit dem deckte, was wir mit dem Lied sagen wollten. Trotzdem gab es dem Song eine neue Richtung. Mir scheint, dass dieser Text eine besondere Tiefe erreicht hat und außergewöhnlich verpackt worden ist. Mehr als alles, woran wir oder zumindest ich bisher beteiligt war. Ich liebe die Kraft, die darin steckt. Ich liebe es, wie es eine biblische Geschichte auf eine Art und Weise darstellt, die wirklich relevant ist für Menschen in heutiger Zeit. Es geht darum, im Glauben einen Schritt in die Tiefe zu wagen, Gottes Gegenwart dabei zu erleben und ihm einfach zu vertrauen. Davon handelt das Lied. Es geht um Glauben. Es geht um die Sicherheit, dass Gott dich ruft, damit du aus dem Boot steigst. Es geht darum, zu wissen, dass du dich auf ihn verlassen kannst.

Bei Tapestry fing es mit einem der Jüngeren von uns an. Er war in den früheren Projekten noch nicht so stark involviert. Sein Name ist Ben Tennikoff. Er hat früher für Matt Tennikoff Bassgitarre gespielt. Er präsentierte uns einige seiner Lieder und zwei davon stachen besonders heraus. Das eine war Heartbeats und dann dieses. Die Musik gefiel uns sofort sehr gut. So entschieden wir, ein wenig damit herumzuspielen und zu probieren, ob wir währenddessen ein paar Melodien und Texte dazu schreiben könnten. Trotzdem war dieses Lied eher eines, das zunächst im Hintergrund blieb. Wir waren uns nicht sicher, ob wir dafür Verwendung finden würden. Dann aber schien es besser voranzugehen. Also wollten wir dem Lied noch eine Chance geben und zogen dafür einen weiteren Freund, Scott Ligertwood, hinzu. Er nahm sich Zeit für die Texte, aber hatte auch keinen großen Durchbruch damit. Doch irgendwann setzten wir uns zusammen und innerhalb von ungefähr einer halben Stunde schien der Text des Refrains wie aus dem Nichts zu kommen. Dann wurde uns klar, dass dieses Lied eigentlich davon spricht, wie wir in Gottes Plan hineingehören. Es dreht sich um all das, was er in unserem Leben tut. Es handelt von seiner Errettung, von seiner Freiheit. Es ist ein sehr poetisches Lied geworden, aber ich finde, dass es beim Singen wirklich bis zum Herzen durchdringt. Es schärft das Bewusstsein, dass wir wirklich ein Teil Gottes und seines Plans sind und dass wir ohne ihn überhaupt nichts haben.

Warum ist der Song Zion ein Instrumentalstück geworden?

Matt: Zion entwickelt sich direkt aus dem Lied Nothing Like Your Love und wurde von Sam Knock, einem jungen Mann aus unserer Gemeinde, geschrieben. Als er uns das Stück vorlegte, mussten wir gar nicht mehr viel damit machen, um es fertigzustellen. Nur in der Bridge gab es eine Stelle, von der wir noch nicht ganz überzeugt waren.

Joel: Wir ließen dann im Studio die Bridge als Endlosschleife laufen und spielten so lange dazu, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren. Wir haben diesen Titel Zion genannt, weil er in der Mitte der Songliste seinen Platz bekam. Es ist schön, mitten im Album einen Moment zu haben, in dem man durchatmen und sich die Geschichte der ersten Albumhälfte noch einmal durch den Kopf gehen lassen kann. Das bereitet den Hörer auch darauf vor, in welche Richtung sich der Rest des Albums von dort aus entwickelt. Mir gefällt die Idee, in der Mitte einen kleinen Zwischenstopp einzulegen.

Wofür steht Hillsong UNITED heute? Seht ihr euch immer noch als die Hillsong-Jugendband?

JD: Die Jugendarbeit ist natürlich das, worin unsere Wurzeln liegen. Leider sind wir aber alle schon zu alt um jugendlich zu sein. Nur im Herzen sind wir noch jung. Trotzdem machen wir immer noch weiter und glauben immer noch an die Gaben, die Gott einem jeden von uns gegeben hat. Wir ermutigen uns gegenseitig, über das hinauszugehen, was wir uns selber zutrauen. Ein großer Teil davon ist auch der Auftrag unserer Hillsong-Gemeinde. Im Wesentlichen sind wir immer noch Teil einer lokalen Gemeinde. Die meisten von uns wohnen in Sydney. Nur ein paar der Jungs sind bei Hillsong New York. Allem voran geht es uns darum, Gemeinde zu bauen. Wir haben eine Leidenschaft für die Kraft der lokalen Gemeinden. Das Gute ist, dass wir eine lebendige Jugendarbeit haben, eine Gruppe von Jungen und Mädchen, die stetig am Wachsen ist. Sie haben jetzt auch schon angefangen Aufnahmen zu machen. Wir nennen es „Young & Free“. Behaltet sie im Auge, denn dort entstehen herausragende neue Lieder und Klänge einer neuen Generation. Sie bringen der Gemeinde, dem Leib Christi, einen frischen Wind.

Möchtet ihr euren Fans in Deutschland, Österreich und der der Schweiz noch irgendetwas sagen?

JD: Wir schätzen es sehr, von den Leuten unterstützt zu werden, die unsere Songs anhören. Wir hoffen einfach, dass Menschen darin mehr als nur Lieder hören. Wir wünschen uns, dass sie darin erkennen, was für eine große Berufung und Aufgabe Gott für sie bereithält. Wir möchten jeden einzelnen ermutigen, immer weiter danach zu forschen, wer Jesus eigentlich ist und diese Reise niemals abzubrechen. Nur dann kann sich das Potential, das Gott in einen Menschen hineingelegt hat, vollständig entfalten. Jesus zu dienen und mit ihm im Glauben unterwegs zu sein, ist das größte Abenteuer, auf das man sich je einlassen kann. In diesem Sinne möchten wir ermutigen, niemals mit dem Weitermachen aufzuhören.

Wenn Sie auf das CD-Cover klicken, können Sie in alle Lieder des Albums „Zion“ reinhören.

„Zion“ gibt es auch als Deluxe Edition (CD + DVD), Digital Songbook (CD-ROM) und Songbook.