18.03.2014

Elisabeth Büchle

Elisabeth Büchle im Interview Zwischen den Zeilen ...

Das Markenzeichen von Elisabeth Büchle sind gründlich recherchierte historische Romane. Nicht von ungefähr wurde ihr Buch „Der Klang des Pianos“ vom Online-Magazin histo-couch.de zum Roman des Jahres 2012 gekürt. Jetzt legt die Schwäbin und fünffache Mutter den Abschluss ihrer furiosen Meindorff-Saga vor.



Geschafft! Die Meindorff-Trilogie ist komplett. Zusammen sind das 1.424 Seiten. Blicken wir zurück an den Anfang. Hatten Sie nach den ersten Zeilen von Band 1 schon das Ende von Band 3 vor Augen? Oder ergab es sich im Verlauf des Schreibprozesses?

Die Zahl hört sich ja toll an. Da ich zu der Kategorie chaotische Schreiberin gehöre, war mir das genaue Ende der Trilogie lange nicht präsent. Es gibt viele Autoren, die planen ihre einzelnen Kapitel perfekt. Ich lasse mich vielmehr von meinen Romanfi guren und dem Verlauf der Geschichte überraschen. Ich wusste nur: Der erste Band beginnt am Strand von Koudekerke, Holland, und dort wird der dritte Band enden. Der Rest entstand spontan.

Wie gehen Sie mit den von Ihnen geschaffenen Charakteren um, die sie selbst nicht leiden können? Haben Sie Mitleid mit ihnen? Oder entwickelt sich im Laufe der Zeit eine immer größere Abneigung?

Natürlich muss ich diesen von mir geschaff enen unsympathischen Figuren einen gewissen Widerwillen entgegenbringen. Aber häufig habe ich auch Mitleid mit ihnen. Ähnlich wie im realen Leben hatten diese Romanfiguren einen schlechten Start ins Leben oder mussten selbst Verletzungen, Entbehrungen, Vernachlässigung oder gar Hass erfahren, was sie zu dem machte, was sie nun sind. Schwieriger ist das allerdings bei historischen Figuren. Um ein Beispiel zu nennen: Rasputin. Je mehr ich über ihn las und erfuhr, umso gruseliger fand ich diesen Mann, und die Szenen, die ich in Anlehnung an seinen Charakter über ihn schrieb, machten das nicht besser.


Wer bedeutet Ihnen in dem Dreiteiler am meisten? Und was macht diese Person so besonders? Gibt es ein reales Vorbild für diesen Charakter?

Ich vermeide es, einer Romanfigur eine reale Person eins zu eins gegenüber zu stellen. Zwar übernehme ich gern mal Charakterzüge oder eine auffällige Eigenheit, mixe diese aber mit einem völlig anderen Aussehen, Lebensumfeld etc. Das bedeutet, dass ich während des Schreibprozesses neue Charaktere kennenlerne. Einige von ihnen wachsen mir natürlich ans Herz – in diesem Fall selbstverständlich Demy und Anki, Philippe und Hannes. Dennoch möchte ich auf Ihre Frage zwei andere Personen nennen: Edith und Lieselotte. Edith mag ich sehr, da sie sehr bodenständig ist und vernünftig reagiert. Sie ist weiblich, aber dennoch stark. Sie packt das Leben tatkräftig an und beißt sich durch. Lieselotte ist eine Kämpferin mit den denkbar schlechtesten Startvoraussetzungen. Ihre Begeisterung für die Frauenrechtsbewegung und den Klassenkampf schlägt fast in Fanatismus um, und die Leser werden sie sehr bald unsympathisch, vielleicht sogar ungerecht finden. Sie ist ein geprügeltes Kind der damaligen Zeit, und dennoch … Halt – das würde jetzt wohl zu viel verraten.

Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht schreiben? Und wie bringen Sie die Schreibarbeit und ihre großen Familie unter einen Hut?


Schreiben ist Beruf und Hobby zugleich, und ich betreibe beides mit Leidenschaft.

Zudem gehe ich gern spazieren und wandern. Ich fotografiere viel und verbringe selbstverständlich auch Zeit mit meiner Familie. Ein bisschen Sport gehört ebenfalls zum Programm und gelegentlich greife ich statt zu einem Recherchebuch zu einem Roman. Ich empfinde den Beruf der Autorin als sehr familienfreundlich. Ich arbeite zu Hause und wenn ich mal zwei Wochen nicht schreibe, stört das – außer mir – niemanden. Früher musste ich viel abends und nachts schreiben, aber seit auch der Jüngste in der Schule ist, habe ich es morgens angenehm still im Haus. Zudem helfen die Kinder inzwischen mit (der Ehemann ohnehin!), sei es bei einer Recherchefrage oder einfach damit, dass sie sich mit mir über die Protagonisten oder über eine Szene unterhalten. Das ist sehr hilfreich, und wir haben viel Spaß miteinander.
    
Können Sie uns von einem besonderen Erlebnis bei einer Lesung berichten?

Mein faszinierendstes Erlebnis liegt schon etwas zurück. Damals las ich aus dem Roman „Sehnsucht nach der fernen Heimat“, in dem die historische Person Hans Bernd von Haeften (der ältere Bruder des Adjutanten Graf von Stauffenberg) vorkommt. Nach der Lesung sprach mich ein älterer Herr an und erzählte mir, dass er nach dem Krieg die Witwe und die Kinder von Haeftens aufgenommen und versorgt hätte, da sie damals keinerlei Unterstützung erhielten, sondern Anfeindung erlebten. Es war für mich sehr berührend, jemanden kennenzulernen, der mit diesen Menschen noch hautnah zu tun hatte.
   
Wo kann man Sie als nächstes persönlich treffen?

Im April gehe ich erneut auf Lesereise (24.04. Hamburg; 25.04. Wolfsburg; 26.04. Bremen), vom 15. bis 18. Mai bin ich während der DeLiA-Romantage in Büsum. Weitere Termine sind in Planung und werden rechtzeitig auf meiner Webseite bekannt gegeben (www.elisabeth-buechle.de). 

© Gerth Medien 2014

Neugierig auf die Meindorff-Saga geworden? Dann lesen Sie doch gleich mal rein!



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