14.02.2017

Dieter Falk

Dieter Falk im Interview „Luther war ein Mensch mit Ecken und Kanten“

Dieter Falk spielt Martin Luther: Zum 500. Reformationsjubiläum widmet sich der Ausnahme-Pianist den bekanntesten Chorälen des Wittenberger Theologen.

Was bedeutet dir dein neues Album „A Tribute to Martin Luther“?

Für mich ist es eine „Steilvorlage“, ein Album über Luther zu veröffentlichen, denn Martin Luther war der erste „Popmusiker“ der Kirche. Er hat Volkslieder-Hits auf der Straße gehört, sie umgetextet und für die Kirche singbar gemacht. Und das erstmals in deutscher Sprache. Das ist wahrlich „Pop“ulär. Auf diesem Album bringe ich nun seine Melodien in Verbindung mit der musikalischen Sprache unserer Zeit: mit Gospel-Akkorden, Jazz-Riffs und Pop-Rhythmen.


Hast du ein Luther-Lieblingslied?

Mein Lieblingslied ist eine ruhige Melodie aus dem 11. Jahrhundert, die Luther 1529 wiederentdeckt hat: Christ ist erstanden. Ich habe den Song an den Anfang der CD gestellt, weil ich ihn sehr mag und weil er mir in kürzester Zeit quasi „aus den Fingern gesprungen ist“. Viele Lieder dieser Platte sind übrigens spontan auf meinem neuen Shigeru-Flügel entstanden. Währenddessen saß mein Sohn Paul als Co-Produzent im Studio und hat die Mikros mitlaufen lassen. Musik als Momentaufnahme also. Die anderen tollen Musikerkollegen kamen erst später dazu.


Was fasziniert dich besonders an dem Lieddichter Martin Luther?

Luther hat Klartext gesprochen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Deshalb sind seine Liedtexte auch nicht blumig oder romantisch versponnen. Sie sind griffig und lebensnah, kommen auf den Punkt und wollen den Menschen damals wie heute sagen: Der sicherste Rückzugspunkt ist Gott, wie eine Burg mit festen Mauern.

Und an dem Menschen Martin Luther?

Luther war ein Mensch mit Ecken und Kanten. Und mit großen Fehlern, denn vieles von dem, was er in seinem letzten Lebensabschnitt gesagt hat, verstehe ich nicht und kann ich nicht teilen. Trotzdem bleibt er einer der wichtigsten Deutschen, denn Luthers neues Weltbild des „Selberdenkens“, indem er sich darüber hinwegsetzt, was ihm vom Papst und den Fürsten „vorgekaut“ wird, ist eine frühe Vorwegnahme des Zeitalters der Aufklärung. Und für mich als historisch denkenden Menschen eine bedeutende Leistung, die viele Menschen nachhaltig beeinflusst hat.

 

 

Persönliches:
Dieter Falk kommt am 5. Dezember 1959 in Siegen zur Welt. Seinen ersten Klavierunterricht erhält er im Alter von 6 Jahren. Nach dem Abitur studiert er Jazz, Kirchenmusik und Schulmusik an der Musikhochschule Köln. 1990 wird er Produzent der Gruppe „PUR“, mit der er mehrmals die Spitze der Charts erreicht. Weitere Erfolge feiert er u. a. mit Patricia Kaas und Pe Werner. Über 50 Goldene und Platin-Schallplatten für über 20 Millionen verkaufte Tonträger zieren seine Laufbahn. Aktuell ist er sowohl solo als Pianist aktiv als auch gemeinsam mit seinen Söhnen Paul und Max, besser bekannt als „Falk & Sons“.

Kurz und knapp:
Sylt oder Hawaii?
Weder noch.

Salat oder Steak?
Steak mit Salat, aber ohne Pommes.

Bach oder Beatles?
100% beides.

Aktuell ganz oben auf meiner Playlist:
Adele

Nach einem langen Tag …
… setze ich mich an den Flügel und spiele was zum „Runterkommen“.