13.07.2017

Albert Frey

Albert Frey im Interview Mehr Gas, weniger Bremse

Schon viele Jahre ist Albert Frey in der Männerarbeit tätig. Es interesssiert ihn, welche Lieder, welche Themen Männer besonders bewegen. Sein neues Album hat er der Männer-Seele gewidmet! Wir haben dem Lobpreisleiter dazu ein paar Fragen gestellt.

Albert, wie kamst du auf die Idee, ein Album speziell für Männer aufzunehmen?

Ich habe mir selbst in meinen 30ern die Frage gestellt: Wer bin ich als Mann in Gottes Augen? Ich habe Männerbücher gelesen und Männerseminare besucht, und auch tatsächlich mehr Bewusstheit und Selbstbewusstsein als Mann gewonnen. Dann begann ich, meine Erkenntnisse und Erfahrungen in meinen Liedern, auf Seminaren und Männerveranstaltungen und auch in einem Buch („Für den König“, SCM) weiterzugeben. Aber die entsprechenden Lieder waren immer auf verschiedenen CDs verstreut. So kam die Idee, alte und auch neue Lieder mit dieser „männlichen“ Ausrichtung auf einer CD neu aufzunehmen. Außerdem passt das Timing zu Andreas Sabbatjahr, einer Bühnen- und Studiopause, in der Sie sich auf Inneres konzentriert, nachdem wir im letzten Jahr an „Komm zur Quelle“ viel zusammen gearbeitet haben. So hat alles seine Zeit.

... gibt es das „typisch Mann“? In Sachen Themenauswahl, in Sachen Musikgeschmack?

Es ist natürlich ein Klischee: Männer mögen es rauer und direkter. Stimmt oft, aber nicht immer. Am letzten Wochenende habe ich zum ersten Mal das neue Programm gespielt - und eine Frau war ganz begeistert, meinte aber scherzhaft entrüstet: ich mag als Frau auch Rock! Die CD ist also sicher auch für Frauen geeignet, die ja bekanntlich auch einen männlichen Anteil haben - und umgekehrt. Auch inhaltlich gelten die Lieder auch für Frauen, aber: Männer fühlen sich oft erst dann gemeint, wenn man sie besonders anspricht.

„Wild und weise“ – so heißt deine CD – aber auch dein aktuelles Tour-Programm. Warum dieser Titel?

„wild & weise“ steht für die Spannung zwischen der Energie des jungen Mannes, Abenteuerlust, Echtheit, Radikalität - und der Erfahrung des älteren Mannes, der auf seiner Lebensreise gelernt hat, sich selbst zu beherrschen, Sinn zu finden, Andere zu sehen, eine tiefe Beziehung zu Gott aufzubauen. Beides brauchen wir!

Energie und Erfahrung – beides brauchen wir!

Dein Album zeigt neue Lieder wie „Siegeslied“ und „Kreuzbube und Herzkönig“ aber auch Klassiker wie „Für den König“ als neue Aufnahme. Apropos, was empfindest du denn selbst nach so vielen Jahren, als du „Für den König“ für die CD noch einmal neu in Szene gesetzt hast?

„Für den König“ singe ich zusammen mit drei anderen Männern, sinnbildlich dafür, dass wir für den wahren König Jesus zusammen stehen, wie die Musketiere! Dieses erhebende Gemeinschaftsgefühl habe ich auch schon mehrfach auf Männerveranstaltungen erlebt, wo „Für den König“ zu einer Hymne christlicher Männer geworden ist. Die Aufnahme ist auch nicht so orchestral wie das Original, sondern rockiger, kerniger. Und so haben auch andere Klassiker eine neue Farbe bekommen, die ich sehr mag und die mich auch an meine „wilde“ Zeit oder bessere: Seite erinnert.


Welche Themen glaubst du, beschäftigen Männer besonders? Was ist die Sehnsucht, die sie antreibt? Wie gehst du in deinen Liedern darauf ein?

Da ist die Frage nach Identität: wer bin ich wirklich, jenseits meiner Rollen? Auch Gefährdungen, die aus unserer Sehnsucht nach Erfüllung entstehen, sind ein Thema: der Mann als Spieler, der zurückgezogene Mann, der gespaltene Mann - bis hin zum Doppelleben. Mein Ansatz ist nicht moralisch: „du sollst nicht!“ - sondern die Frage nach der tieferen Sehnsucht dahinter: wie kann die von Gott her erfüllt werden? Deshalb ist mir auf dieser CD auch Lobpreis, der Blick auf Gott wichtig, mit einem etwas anderen Akzent: Männer wollen gerne alles geben!

Viel Unheil in unserer Welt entsteht dadurch, dass wir als verletzte Kinder reagieren!

Einige Lieder werden auch von anderen Männern gesungen. Welche Solisten sind dabei?

Michael Janz hat zwei der Pop-Songs gesungen, die er mit seinen stimmlichen Möglichkeiten einfach besser rüberbringen kann als ich. Juri Friesen von der Outbreakband singt zwei Worship-Klassiker. Das finde ich ein schönes Zeichen: Jemand von der nächsten Worship-Generation stellt sich dazu. Claus-Peter Eberwein hat zusammen mit Michael tolle Backing-Vocals gesungen, von mehrstimmigem Satzgesang wie im Classic Rock bis zu epischen Männerchören - und eben ein Viertel von „Für den König“. Die Aufnahmen mit allen, auch den Musikern, haben mir viel Spaß gemacht: es war schon ein wenig so, als wenn man mal mit mehr Gas und weniger Bremse fährt!

„Decke mich zu“ wirkt –  vor allem neben den groß angelegten Songs – eher zerbrechlich.

Ja, das war mir wichtig: nicht nur die starke Seite soll zur Sprache kommen, sondern bewusst auch die schwache. Es geht um das verletzte Kind im Manne - oder der Frau. Es war ein Teil meines Weges, mich der seelsorgerischen Aufarbeitung meiner Kindheit zu stellen und bei Gott auch da Trost zu finden, wo ich das als kleiner Junge nicht erlebt habe. Und das möchte ich besonders den Männern ans Herz legen. Viel Unheil in unserer Welt entsteht dadurch, dass wir als verletzte Kinder reagieren!

Meine Frau Andrea ist mir dabei ein Vorbild. Es ist paradox: erst der weise Mann, der seine weibliche Seite integriert und eine gewisse Selbsterkenntnis gewonnen hat, kann gut mit dem inneren Kind und der Energie des jungen Mannes umgehen und damit im besten Sinne „wild“ sein!

Danke für das Gespräch!