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INFOS
Thomas Franke

Über die SoKo mit Handicap

Thomas Franke hat sich als Autor mitreißender Romane schon längst einen Namen gemacht. Das beweist auch seine neue Geschichte, zu der wir ihm einige Fragen gestellt haben.

Lieber Thomas, der Schauplatz in Der Tote und der Taucher ist ungewöhnlich. Wie kamst du auf die Idee, dass eine Berliner Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung der perfekte Ort ist?

Krimis, in denen Kommissare (zumeist beziehungsunfähige Agnostiker mit Autoritätsproblemen) nach den Tätern suchen, gibt es wie Sand am Meer. Ich finde es viel spannender, einen unerwarteten Handlungsort zu wählen und Menschen, die in unserer Gesellschaft eher durchs Raster fallen, zu den Protagonisten des Romans zu machen. Jede Geschichte lebt zu einem erheblichen Teil von der Originalität ihrer Figuren. Hauptberuflich arbeite ich seit über 20 Jahren bei einem Träger zur beruflichen und sozialen Teilhabe von Menschen mit Behinderung, und ich muss ganz ehrlich sagen, mir sind nirgendwo sonst so viele originelle und auch liebenswerte Persönlichkeiten begegnet wie in diesem Bereich. Insofern musste ich dieses ungeheure Potenzial einfach nutzen.

Die „Soko mit Handicap“ ist eine absolut liebenswerte Truppe. Basieren die Figuren und Charaktere auf Personen, die du kennst?

In gewissem Sinne schon. Die Charaktere selbst sind zwar frei erfunden, aber bei der Gestaltung der Figuren sind viele Persönlichkeitsmerkmale, Eigenarten und biografische Details eingeflossen, die auf realen Personen beruhen. Ich möchte allerdings hervorheben, dass es falsch wäre, die Eigenarten einiger Figuren mit ihren jeweiligen Behinderungen gleichzusetzen. Menschen mit Trisomie 21 sind genauso individuell und unterschiedlich wie Menschen ohne Behinderung, und auch wenn beispielsweise Autisten mit ganz bestimmten Schwierigkeiten zu kämpfen haben, so ist dennoch jeder einzelne ein absolut unverwechselbares Original.

Werden auch „Angsthasen“ an dem Kriminalroman Freude haben?

Es kam mir beim Schreiben nicht darauf an, besonders gruselige oder blutige Szenen zu kreieren. Spannung hingegen war mir schon sehr wichtig. Aber Spannung entsteht meines Erachtens vor allem dann, wenn man anfängt, mit den Figuren mitzufiebern, während man sich gemeinsam mit ihnen auf den Weg macht, ein großes Rätsel zu lösen. Es ist natürlich immer eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man Der Tote und der Taucher gefahrlos lesen kann, ohne Albträume zu bekommen.

Welche Botschaft vermittelst du zwischen den Zeilen?

Durch die Figuren kommen die Leser mal recht unverblümt, mal etwas verborgener mit einigen grundsätzlichen Fragen in Berührung, die für uns alle von Bedeutung sind. Zum Beispiel: Was macht ein Leben lebenswert? Wie gehe ich mit Ungerechtigkeit und Verlassensein um? Kann es wirklich sein, dass ich gewollt bin – so, wie ich bin? Wer sich auf die Geschichte einlässt, wird zwangsläufig eine neue, ungewohnte Perspektive einnehmen. Denn einen Teil des Geschehens erlebt man aus der Sicht des Rollstuhlfahrers Theo. Auf diese Weise bekommen die Leserinnen und Leser die Chance, einen ganz anderen Blick auf den Alltag zu gewinnen. Wenn diese Geschichte dazu beiträgt, Andersartigkeit als Bereicherung zu begreifen und jedem Menschen offen, wertschätzend und authentisch zu begegnen – im Grunde so, wie wir es uns auch für uns selbst wünschen –, dann würde mich das ungeheuer freuen. Denn ich glaube, damit sind wir dem auf der Spur, was Jesus meinte, als er uns die Empfehlung gab: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“

Wird die Geschichte weitergehen?

Auf jeden Fall, denn Der Tote und der Taucher ist der erste Band eines Zweiteilers. Momentan schreibe ich noch an den letzten Kapiteln des abschließenden Bandes, der im Juni 2021 erscheinen wird.

 

Erhältlich als Buch, Hörbuch, eBook und Club-Ausgabe.

 

© 2021 Gerth Medien

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