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Geigen der Hoffnung

Damit ihr Lied nie verklingt.

"Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie dringend sein Inneres Musik brauchte, welchen Hunger er danach verspürte. Es machte aus ihm, der stundenweise nur noch an Brot hatte denken können, wieder einen Menschen."

Ein Knirschen, Stahl auf Stahl. Waggons werden verriegelt. Die Brüder Marek und Stani ahnen: Der Transport geht ins Verderben. Doch Marek will die Hoffnung auf ein Überleben nicht aufgeben und klammert sich an seinen Geigenkasten ...

Über ein halbes Jahrhundert später beugt sich Amnon Weinstein über eine zerkratzte und verfärbte Geige. Mehr als 60 Streichinstrumente verfolgter Juden hat er wieder zum Klingen gebracht, er nennt sie "Violins of Hope". In den größten Konzertsälen der Welt werden sie heute gespielt.

Eine auf wahren Begebenheiten basierende Erzählung über die Kraft der Musik. Und die Geschichte eines außergewöhnlichen Geigenbauers, der alles daran setzt, dass die Opfer des Holocaust nicht vergessen werden. Amnon Weinstein hat im Dezember 2016 für sein Lebenswerk und das Projekt "Violins of Hope" das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen.
  • Nr. 835117
  • · gebunden mit Schutzumschlag, 8-seitiger Bildteil, 208 Seiten
  • · 10/2016
  • · adeo
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Titus Müller
Geigen der Hoffnung (eBook)
Nr. 814776
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  • „Eine ausgesprochen interessante Symbiose zwischen Sachbuch kombiniert mit einer Fiktion.“ Leserstimme
  • „Ein starkes Buch. An authentischen Beispielen wird sehr deutlich, dass die Musik eine Chance gegen menschenverachtende Hoffnungslosigkeit hat!“ Christian Döring, buecheraendernleben
  • „Ein berührendes Buch über die Liebe und die Kraft der Musik, basierend auf wahren Begebenheiten.“ antenne (Medienmagazin)

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ohne Angabe, 24.11.2016

„Geigen der Hoffnung“ ist ein aufwühlendes, trauriges, rührendes aber auch ein hoffnungsvolles Buch. Amnon Weinstein ist Geigenbauer in Tel Aviv, wie einst sein Vater. Dieser hatte in seiner Werkstatt viele Geigen von ehemaligen KZ-Häftlingen stehen. Doch lange Zeit wollte er nicht darüber reden. Als Amnons Vater starb, der sehr viele seiner Angehörigen in einem KZ verlor, machte er sich daran, die Geigen und ihre Geschichten zum Leben zu erwecken. Er fing an, diese Geigen zu restaurieren und bald kamen immer mehr dazu, Geschichten wurden erzählt. Amnon hatte die Idee, die Geigen wieder erklingen zu lassen. Und so sind einige seiner Geigen weltweit unterwegs um an die ehemaligen Besitzer zu erinnern, in Gedenkkonzerten gespielt und die Musik nicht verklingen zu lassen. Die Nazis hatten versucht, mit absurd fröhlicher Musik und eigenen Lagerorchestern, den Juden Musik in Verbindung mit den Gräultaten der Nazis zu bringen und diese Musik zu hassen zu lassen. Doch vielen gab diese Musik Kraft weiterzumachen. Im Bildteil gibt es einen kleinen Einblick auf diese Geigen und in die Werkstatt von Amnon Weinstein.

 

Parallel zu der Geschichte von Amnon Weinstein, welche von Christa Roth aufgeschrieben wurde, hat Titus Müller der Geschichte von Marek und seinem Bruder Stani Leben eingehaucht. Diese Erzählung beruht – wie im Nachwort beschrieben – auf wahren Tatsachen. Beide kommen aus dem Ghetto Lodz über Auschwitz in das KZ Dachau und sind dort den Nazis ausgeliefert. Diese wollen sie brechen, sehen sie nur noch als Nummern. Doch beide wollen überleben und kämpfen um den anderen. Immer wieder musste ich beim Lesen die Luft anhalten – kann man so etwas Menschen antun? Immer wieder denkt man, schlimmer könne es nicht kommen, doch es kann. Marek hat das Glück ins Lagerorchester zu kommen, so bekommt er etwas mehr essen. Aber um welchen Preis?

 

Dieses Buch kann man kaum aus der Hand legen, weil es so fesselt und man so sehr mitleidet. Vieles kennt man schon aus dem Fernsehen oder hat darüber gelesen, dennoch erschüttert es immer wieder. Dass die Nazi so sehr die Musik benutzten war mir gar nicht bewusst. Wie wunderbar ist es, dass Amnon Weinsteins Sohn seine Werkstatt später einmal übernehmen und so sein Werk fortsetzen wird.

 

Ein Buch, was jeder lesen sollte um diese Taten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und um ein ähnliches Szenarium in Zukunft sofort im Keim ersticken zu können. Ein Buch was lange nachhallen wird.

Smilla507, 24.11.2016

Amnon Weinstein hat über 60 Geigen gesammelt. Es sind Geigen, die in KZ’s und Ghettos gespielt wurden, von Juden und anderen Häftlingen. Der Geigenbauer aus Tel Aviv hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Geigen zu restaurieren, um ihre Stimme nie verklingen zu lassen: Er organisiert Ausstellungen und Konzerte rund um den Globus, in denen diese „Geigen der Hoffnung“ - Violins of Hope - gespielt werden.

 

Diesen Part, Weinsteins Geschichte und die der Geigen, erzählt Christa Roth. Sie ist freiberufliche Journalistin und das merkt man auch dem Schreibstil dieser Abschnitte an. Das Ganze las sich interessant und informativ, aber mich verwirrten auch die Zeitsprünge darin.

 

Titus Müller hat dazu über den Häftling Marek geschrieben, der zusammen mit seinem Bruder ca. ein Jahr vor Kriegsende ins KZ Dachau transportiert wird. Die Grauen dort werden sehr ausdrucksstark, aber nicht zu ausufernd, geschildert. Es war für mich erschütternd von der Brutalität der SS Offiziere zu lesen, wie man mit den Häftlingen umging. Eigentlich wusste ich von all dem, habe ein KZ besichtigt, aber das Ganze wieder vor Augen geführt zu bekommen, ließ in mir den drängenden Wunsch aufkeimen, dass sich so etwas nie, nie wieder wiederholen möge!

 

In diese Dunkelheit schleicht sich auf vielerlei Weise die Musik hinein. Einerseits um die Häftlinge zu schikanieren, doch manch einen Gefangenen versetzt sie in die Vergangenheit, lässt sie die Gefangenschaft vergessen, die Elektrozäune gedanklich überwinden, Hoffnung und einen Funken Frieden spüren. Besonders diese Szenen fand ich sehr feinfühlig und authentisch beschrieben.

 

Im Angesicht des Todes mussten einige Juden ihr Instrument spielen, was dazu führte, dass sie es nach ihrer Freilassung (sofern sie das erleben durften) nie wieder anrührten. So landeten einige Geigen auf Weinsteins Werkbank, jede erzählt eine eigene Geschichte. Die Geschichte, die Titus Müller aufgeschrieben hat, beruht auf wahren Begebenheiten.

 

Ja, ich mochte es auch nicht glauben, dass es damals Orchester mit Häftlingen gab. Umso wichtiger, dass Titus Müller und Christa Roth sich dieser angenommen haben, sowohl den Häftlingen als auch den Geigen eine Stimme gegeben haben und gemeinsam mit Amnon Weinstein etwas gegen das Vergessen beitragen.

 

Am Ende des Buches befinden sich Fotos von Weinstein, den Geigen und Auftritten. Ich kann nur empfehlen, im Internet weiter über das Thema zu recherchieren.

 

Fazit: Ein interessantes, aber auch mitreißendes und erschütterndes Buch, das ich sicher nicht so schnell vergessen werde!

ohne Angabe, 26.11.2016

Amnon sammelt Geigen. Aber nicht irgendwelche - sondern die Instrumente, die in den Konzentrationslagern von Juden gespielt wurden. Die Musik rettete Leben und erhielt die Hoffnung am Leben. Amnon geht den Geschichten dieser Geigen nach. Marek ist ein junger Musiker im KZ von Dachau. Zusammen mit seinem Bruder kämpft er 1944 ums Überleben.

 

Christa Roth und Titus Müller haben zusammen ein bewegendes Buch über ein - zumindest für mich - eher unbekanntes Kapitel des Dritten Reiches geschrieben. Mir war bis dahin nicht bewusst, was für eine wichtige Rolle die Geigen im KZ einnehmen konnten und wie sie einerseits für eine groteske Situation sorgen und andererseits Hoffnung schenken konnten. Musik hat Macht - das wird in diesem Buch besonders deutlich.

 

Die Journalistin Christa Roth beschreibt die Geschichte rund um den Geigenbauer Amnon Weinstein, der mehr als 60 Geigen bis jetzt gesammelt hat. Mit ihrem journalistischen Schreibstil, der mehr an einen Zeitungsartikel, denn an einen Roman erinnert, hatte ich am Anfang stark zu kämpfen. Mit ihrem sachlichen Schreibstil hält sie den Leser auf Distanz. Es ist schwierig, mit Amnon warm zu werden. Zudem ist insbesondere der erste Teil, in dem sie die Geschichten von Amnon und seinem Vater Moshe miteinander vermischt, teilweise verwirrend zu lesen. Teilweise fehlt der Bezug dazu, ob nun von Moshe oder von Amnon die Rede ist. Die zusätzlichen Zeitsprünge tragen ebenfalls zu dieser Verwirrung vorbei. Dies ändert sich aber im weiteren Verlauf des Buches und die Distanz zu Amnon verringert sich ebenfalls.

 

Deutlich besser hat mir der "Romanteil" durch Titus Müller rund um die Geschichte von Marek gefallen. Ich finde es immer noch schade, dass nicht auch die Geschichte um Amnon im gleichen narrativen Stil geschrieben wurde. Durch Marek erlebt man die Grausamkeit und Brutalität des Nazi-Regimes deutlich zu spüren. Es ist erschreckend zu lesen mit welcher Menschenverachtung und psychischer und physischer Gewalt Menschen im Dritten Reich behandelt wurden. Eigentlich unvorstellbar, dass so ein Handeln und Denken im aufgeklärten 20. Jahrhundert noch möglich war.

 

Titus Müller greift diese Schrecken auf und lässt seine Figuren dieses Leid miterleben. Gekonnt lässt er den Überlebenskampf wieder auferstehen und zeichnet die Selbstzweifel des jungen Musikers Marek nach.

 

Damit ist das Buch auch gleichzeitig eine Warnung für heute - in einer Zeit, in der rechte Parteien immer mehr die Oberhand in Europa gewinnen. Das Buch macht deutlich, wohin ein rassistisches Denken führen kann und warnt davor, den gleichen Fehler noch einmal zu begehen.

 

Das Buch zeigt aber auch auf, dass es selbst im KZ neben all den Sadisten auch gute Menschen gab, die sich die Menschlichkeit bis zum Schluss bewahrten. "Geigen der Hoffnung" ist ein Buch, das einen nicht kalt lässt. Es berührt, verstört und gibt Hoffnung gleichermaßen - ein Must-Read, nicht für Liebhaber von historischen Romanen.

ohne Angabe, 28.11.2016

Absolut fesselnd, lesenswert, beeindruckend, betroffen machend und als literarische Ermahnung gegen das Vergessen (gerade in heutiger Zeit und dem Erstarken des Rechtspopulismus in ganz Europa!) eine lohnenswerte Lektüre. Eine absolute Leseempfehlung von mir, 4,5 * und ein großes Dankeschön an beide Autoren sowie besonders an Amnon Weinstein, vor dessen Kunst im Geigenbau ich mich - vor allem durch die Vergangenheit dieser Violinen - nur verneigen kann.

 

(Rezension ganz zu lesen bei 'Lovelybooks' oder Histo-Couch „Sagota“)

ohne Angabe, 30.11.2016

Ein Denkmal gegen das Vergessen

 

Dieser Roman hat mich beim Lesen sehr berührt und erschüttert. Wie können Menschen so grausam und bestialisch sein. Hatten sie kein Gewissen und Gefühle, fragte ich mich beim Lesen.

Die beiden Autoren/innen, Titus Müller und Christa Roth haben mit diesem Buch, ein Denkmal gegen das Vergessen gesetzt, ein Mahnmal. Möge der Klang der Geigen nie verstummen und die Menschen mit ihrer Musik die Menschen an eine unserer dunkelsten Epochen der Weltgeschichte Erinnern. Sehr schön haben die beiden Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben. Mit ihrem Schreibstil und der Handlung der Geschichte verstehen sie einem zu fesseln und nachdenklich zumachen. Sehr schön fand ich das Nachwort und die Fotos zu der Geschichte der Geigen.

Titus Müller ist für den Historischen Part verantwortlich, wie immer hat er gut recherchiert, und mit viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen erzählt er die Geschichte von Marek und seinem Bruder Stani, zwei Juden, die wie so viele andere im Konzentrationslager Dachau landeten. Eine Geschichte voller Tragik und Schwermut. Die Qualen und Demütigungen, die sie erdulden mussten.

Aber, sie gaben nicht auf, riskierten alles, Strafe oder gar der Tod, sie kämpfen gegen das Schicksal an, lassen sich nicht brechen. Die Musik gab ihnen Kraft und Hoffnung, auch wenn sie für die SS Männer spielen mussten. Ihre Musik war so etwas wie ein Strohhalm an den sie sich klammerten, mit dem sie auch ihre Mitgefangenen, Freude bereiten konnten. Ich musste oft Schlucken beim Lesen und manche Träne trat mir in die Augen, über die Grausamkeit dort im KZ, ich sah die ausgemergelten Menschen, die der SS dem Hitlerregime ausgeliefert war, die Folter, das töten das unmenschliche was an der Tagesordnung war.

Christa Roth, erzählt uns die Geschichte der Geigen, die bei Amnon Weinstein in Israel in seiner Werkstatt ein Zuhause gefunden haben. Der Werdegang der Familie, sie haben über 60 Streichinstrumente liebevoll restauriert und in Hege und Pflege. Sie alle stammen von verfolgten Juden, eine jedes erzählt seine Eigene Geschichte und deren Schicksal. Die „ Violins of Hope“, wie sie liebevoll genannt werden. Die Autorin hat sich sehr viel Mühe gegeben, ist nach Israel gereist und hat mit Amnon gesprochen und sich alles erzählen lassen, Danke auch an sie für ihre Mühe und Arbeit. So haben wir sehr viel, über die Geigen der Hoffnung erfahren. Man spielt sie heute in allen großen Konzertsälen der Welt. Amnon Weinstein hat sie durch viel Arbeit und Liebe wieder zum Klingen gebracht, er möchte mit seiner Arbeit alles tun, das man die Opfer des Holocaust nicht vergisst.

Sehr schön finde ich den Spruch im Buch von Amnon Weinstein

„Wenn wir die Instrumente wieder zum Leben erwecken, sie vor dem Publikum spielen und das vor Rührung weint, dann ist das der größte Beweis, dass die Nazis gescheitert sind.“

vielleser18, 03.12.2016

Zwei Autoren - Titus Müller und Christa Roth - haben hier gemeinsam ein eindringliches und bewegendes Buch geschrieben. Es ist eine Mischung aus Roman und Dokumentation. Beides verbindet die Geigen, Geigen, die von Juden während der NS-Zeit gespielt worden sind.

 

Das Buch beginnt mit der Beschreibung von Christa Roth. Sie hat in Tel Aviv mehrmals Ammon Weinstein getroffen. Weinstein, Jahrgang 1939, hat über 60 Streichinstrumente wieder aufgearbeitet, sie wieder spielbar gemacht und diese Instrumente sind die "Violins of Hope". Roth erzählt die Geschichte von Ammon Weinstein, wie er zu den Geigen gekommen ist, wie alles begann.

 

Abwechselnd in diese Berichterstattung eingebettet, ist der Roman von Titus Müller. Er hat, inspiriert durch verschiedene Dokumentationen, Erzählungen von Nachfahren oder Zeitzeugen, eine bewegende, eindringliche (fiktive) Geschichte geschrieben, die unter die Haut geht. Die sich so oder so ähnlich zugetragen haben könnte. Auch wenn es fiktiv ist, ist es dennoch real, was damals im KZ Dachau und in vielen anderen KZs passiert ist. Titus Müller lässt einen Häftling erzählen, Marek Krol. Als Leser leidet man mit ihm, wenn Aufseher ihn misshandeln. Man spürt die Verzweiflung, den Hunger, die Unmenschlichkeit, die Grausamkeit. Man spürt aber auch den Überlebenswillen Mareks, auch wenn es darum geht, seinen Bruder Stanek durch diese Zeit zu bringen.

Marek ist Geiger, seine Geige wurde gleich bei der Ankunft zerstört, dennoch, er schafft es ins Lagerorchester. Ein Orchester, dass aufspielen muss, wenn andere drakonisch bestraft werden, die die SS-Leute unterhalten sollen und spielen, wenn andere zum harten Arbeitseinsatz müssen, aber sie geben auch Konzerte, bei denen die Insassen zuhören und Hoffnung schöpfen können.

Man spürt beim Lesen die Zweischneidigkeit, das Wechselbad der Gefühle des Protagonisten. Einerseits der Urinstinkt des Überlebens-Wollen und anderseits die Menschlichkeit, die dennoch nicht zerstört werden kann - trotz aller Grausamkeiten, trotz aller Versuche den Protagonisten brechen zu wollen.

 

Diese Geschichte von Titus Müller geht wahrlich unter die Haut, sie bewegt. Christa Roths Teil unterstreicht den wahren Kern, unterstreicht, dass dies nicht (alles) fiktiv war. Ammon Weinstein und seine "Violins of Hope" gibt es wirklich und jede dieser Geigen hat auch eine Geschichte. Der journalistische Teil hat mir vom Erzählstil zwar etwas weniger gefallen, es hätte linearer sein können und manche Nebenschauplätze weniger. Aber trotzdemhat sie eine eindrucksvolle Beschreibung von dem Menschen Weinstein geschaffen. Die Autorin hat ihn mehrmals getroffen, man spürt auch ihre Gefühle bei diesem Bericht.

Sie passt vor allem im Kontext zu Müllers Geschichte, die dadurch eine große Authentizität erhält.

 

Am Ende gibt es noch farbige Aufnahmen von Ammon Weinstein und seinen Violins of Hope, sowie im Nachwort von Titus Müller Hinweise zur wahren Geschichte, die ihn inspieriert hat.

 

Fazit:

Geigen der Hoffnung - Geigen voller Erinnerung.

Eindringlich und bewegend erzählen die Autoren die wahre Geschichte von Ammon Weinstein und eine auf wahre Begebenheiten basierende Erzählung eines KZ-Häftlings in Dachau.

ohne Angabe, 04.12.2016

Musik zum Durchhalten haben die Häftlinge in Dachau gespielt, auch wenn die Nationalsozialisten das Orchester ausschließlich zu ihrer eigenen Unterhaltung - und grausamerweise zur Begleitung der Exekutionen mit heiteren Weisen gegründet hatten. Anhand dieses Themas beschreibt Titus Müller den Aufenthalt des polnischen Juden Marek, eines Musikers und seines Bruders Stani im Konzentrationslager Dachau in den letzten Kriegsmonaten.

 

Ich kann nicht sagen, dass ich die Lektüre genossen habe, das wäre unpassend für den Inhalt, aber ich empfand Titus' Schilderungen - wie gut, dass in diesem Teil nur die seinigen enthalten waren, er beschreibt die Verhältnisse sehr eindringlich und ich empfand die Lektüre als grausam und erhebend zugleich, erhebend aufgrund des - es wurde ja schon erwähnt - überaus menschlichen Charakters von Marek und auch von einigen anderen wie Willi und dem polnischen Arzt. Willi ist ein Kommunist reinster Art, der der Ideologie, dass alle Menschen gleich und jeder von ihnen wertvoll ist, unbeirrt folgt, wie bewundernswert!

 

Ein zweiter Erzählstrang widmet sich der Erinnerung: der israelische Geigenbauer Weinstein sammelt "gerettete" Geigen, die "Violins of Hope", Geigen der Hoffnung, die die Erinnerung an die Grausamkeit des Holocaust für immer aufrechterhalten werden. Leider vermag die Journalistin Christa Roth, Verfasserin dieses Teils, trotz großartiger Recherchearbeiten lange nicht mit ihrem Co-Autor mitzuhalten, weswegen ich diese inhaltlich sehr interessanten Passagen fast als störend empfand.

 

Im letzten, ausschließlich von Titus Müller verfassten, Teil habe ich nochmal genau den Qualitätsunterschied der beiden Autoren gespürt, aber ich werde einem Buch, in dem Titus Müller so großartig schreibt, ganz sicher keine Punkte abziehen. Hier wird eindringlich dargelegt, wie Menschlichkeit beim Überleben helfen konnte.

ohne Angabe, 10.12.2016

Der Inhalt

Christa Roth und Titus Müller teilen sich inhaltlich auf, jeweils abwechselnd:

Sie berichtet nach Begegnungen und Gesprächen mit Amnon Weinstein von dessen Leben, Familiengeschichte und Lebenswerk in knapper Form.

Er erzählt ausgeschmückt und in Romanform von 2 jüdischen Brüdern im KZ Dachau.

Was beide Erzählstränge verbindet? - Amnon Weinstein ist Geigenbauer in TelAviv und restauriert Geigen, die Juden gehörten und nach der Restaurierung in Konzerten gespielt an ihre Besitzer und die Qualen des Holocaust erinnern - während die Brüder Stani und Marek das KZ erleben und die Musik, das Geigespielen, für sie zum Überleben beiträgt.

 

Die Berichte von Christa Roth sind interessant. Sie bringen Amnon Weinstein und sein Lebenswerk dem Leser näher. Er und seine Frau haben im Holocaust viele Familienmitglieder und Freunde verloren. Sein Vater, ebenfalls Geigenbaur, kaufte dann später in Israel "deutsche Geigen" auf, die niemand haben wollte. Aber er und auch Amnon konnten diese Geigen und deren Geschichte zunächst nicht in ihr Leben lassen. Als Amnon dann die Geschichte dieser besonderen Geigen als Aussage für die Gegenwart und Zukunft entdeckt und für sich selbst zulassen kann, beginnt er mit der Restauration - und noch mehr: er entwickelt die Idee, diese Geigen wieder spielen zu lassen in dem Bewußtsein, dass ihr Lied nie verklingen darf als Mahnung und als Hoffnung.

Inzwischen gab es schon einige Konzerte weltweit mit den Violins of Hope. Dabei legt Amnon Wert darauf, dass die Aussage im Mittelpunkt steht und keine kommerziellen Zwecke.

 

Die Erzählung über die Brüder Stani und Marek Krol nimmt den Holocaust direkt in den Blick. Aus dem Ghetto werden sie ins KZ Dachau gebracht. Hautnah werden dem Leser teilweise unfassbare Gräuel der SS erzählt. Doch Marek hat Glück: nachdem er den Hass, die "spezielle" Aufmerksamkeit eines SS Offiziers auf sich gezogen hat und bei den Arbeitseinsätzen zusätzlich geschunden wird, kommt er durch glückliche Fügung als Geiger ins Lagerorchester. Ohne die schwere körperliche Arbeit steigt seine Chance zu überleben und er kann sogar seinen Bruder Stani an den zusätzlichen Rationen teilhaben lassen.

Man spürt aber in der Erzählung auch Mareks Zerrissenheit, weil er es besser als die anderen hat und weil das Orchester auf Geheiß der SS den grausamen Alltag im KZ mit fröhlicher Musik begleiten muss.

Kurz vor der Befreiung des KZ Dachau spitzt sich die Lage für die Brüder zu als eine Fleckfieberepidemie ausbricht und Marek erneut den Zorn des SS Offiziers auf sich lenkt.

 

Mein Eindruck

Das Leben und Lebenswerk von Amnon Weinstein auf der einen Seite und das (Über)Leben der Brüder Krol im KZ auf der anderen Seite. So gegensätzlich die Erzählart, so gegensätzlich auch der Inhalt und doch ist alles miteinander verwoben durch die Geschichte der Geigen.

 

Ich habe schon einige Bücher über die NS Zeit gelesen, einige über Erlebnisse im KZ, andere über Erlebnisse im Widerstand, etc. Aber dies Buch ist etwas ganz Besonderes, weil es die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet und die Wirkung in die Zukunft trägt.

 

Das Buch und sein Inhalt werden noch lange in mir nachklingen. Und es gibt einige Zitate, die mich besonders berührt haben:

S. 17 Wie immer, wenn ich aus Amnons Welt trete, muss ich das Gehörte erst gänzlich verarbeiten, bevor ich mich auf Neues einlassen kann. (Christa Roth) -> so geht es mir auch beim Lesen immer wieder!

S. 22 Es gilt, mumifizierte Gedanken aufzulösen, die Vergangenheit für die Dauer unserer Gespräche Gegenwart werden zu lassen. (Christa Roth)

S. 64 Mit fast 60 Jahren hat ihn seine Lebensaufgabe gefunden. (Christa Roth über Amnon Weinstein)

S. 68 Es sind die Musiker, die anders auf ihnen spielen, sobald sie die Geschichte hinter den Instrumenten kennen. Dadurch ergibt sich der besondere Klang, weil die Musiker 1000% geben, nicht 100! (Amnon Weinstein)

S. 70 "Am Ende", meint Amnon, "ist die Frage allerdings nicht, was wir mit dem Projekt machen, sondern was es mit uns macht."

S. 101 Die Musik erinnerte ihn an etwas. Sie erinnerte ihn an ihn selbst, zu einer Zeit, als er stark gewesen war. (Marek beim Konzert, das er im KZ hört über die Wirkung auf ihn)

S.124 Jede Violine erinnert an einen anderen Menschen, und wir dürfen ihr Vermächtnis nicht gering schätzen - egal in welchem Zustand sie ist oder von welcher Verarbeitung." (Amnon über den Wert der Geigen)

S. 189 Jeder war ein kleines Rad im Getriebe, nicht mehr, sie waren Ausführende einer höheren Gewalt und fühlten sich nicht verantwortlich. So hatte die SS die Strafen und sogar die Hinrichtung zu einer dienstlichen Routine bagatellisiert, ... (Marek in seinen Gedanken zur "Bürokratie des Todes", die die SS im KZ ausübte)

 

Das Cover/Die Aufmachung

Ich bin beeindruckt - die Geige auf dem Cover schimmer rötlich und das erinnert mich spontan an "das Blut das an ihr klebt" im übertragenen Sinne.

Das gefällt mir sehr gut!

Der Judenstern bringt die Verbindung zum jüdischen Leben, die Gleise die Verbindung zum KZ (wenn man weiß wovon das Buch handelt).

Was mir ein wenig fehlt ist ein Symbol für die Hoffnung.

Insgesamt dennoch ein gelungenes Cover! Und eine hochwertige Aufmachung mit Schutzcover um das Hardcover.

 

Die Autoren

Titus Müller, 1977 geboren, studierte Literatur, Geschichtswissenschaft und Publizistik in Berlin.

Christa Roth, freie Journalistin, Tel Aviv/Berlin/Stuttgart

 

ohne Angabe, 15.12.2016

In „Geigen der Hoffnung“ werden von Titus Müller und Christa Roth zwei Geschichten erzählt. Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde lesen.

 

Die Journalistin Christa Roth widmet sich mit ihrem Beitrag dem Geigenbauer Amnon Weinstein, der ein ganz besonderes Erbe bewahrt. In seiner Geigenwerkstatt in Tel Aviv finden sich mehr als 60 Geigen und diese haben gemein, dass sie im Dritten Reich vornehmlich von KZ-Häftlingen gespielt wurden.

Inzwischen haben einige dieser Instrumente ein neues Leben bekommen und werden als „Violins of Hope“ in besonderen Konzerten auf der ganzen Welt gespielt.

 

Während der Beitrag von Christa Roth über Amnon und seine Geigen eher sachlich geschrieben ist, ging mir der „Romanteil“ über Marek und Stani, zwei jüdische Häftlinge im KZ Dachau von Titus Müller direkt ins Herz und hat beim Lesen für einige Momente mit tränenfeuchten Augen, einem dicken Kloß im Hals und kaltem Schaudern gesorgt.

 

Der Beitrag von Titus Müller basiert auf wahren Gegebenheiten und ist von einem Schicksal inspiriert, zu dem sich am Ende des Buchs genauere Informationen finden.

 

Mir hat die Mischung aus journalistischer Recherche und romanhafter Erzählung gut gefallen. Der journalistische Anteil war informativ, etwas distanziert und durch einige Zeitsprünge manchmal nicht ganz einfach zu lesen. Im Gegensatz dazu hat mich Mareks Geschichte im KZ Dachau emotional so mitgerissen, dass ich über die Wechsel zwischen den einzelnen Buchteilen und ihren unterschiedlichen Schreibstilen nicht undankbar war, da ich so etwas Luft holen und Abstand gewinnen konnte.

 

Mir hat „Geigen der Hoffnung“ etwas über das Dritte Reich erzählt, was mir bisher noch nicht so im Detail bekannt war und beleuchtet einerseits ein dunkles Kapitel beschreibt aber zugleich die Kraft der Musik und das diese im wahrsten Sinne des Wortes „Leben retten“ kann.

ohne Angabe, 23.02.2017

Inspirierend und berührend

 

Amnon Weinstein ist ein außergewöhnlicher Geigenbauer. Nach langen Jahren, in denen er die Geschichte seines Volkes im Holocaust totgeschwiegen hat, setzt er nun alles daran, sie wieder zum Leben zu erwecken. Er restauriert alte, zerkratzte und zerbrochene Geigen verfolgter Juden, damit sie als „Violins of Hope“ in den größten Konzertsälen der Welt gespielt werden können.

 

„Die Vergangenheit schreibt sich nicht in den Korpus ein. Es sind die Musiker, die anders auf ihnen spielen, sobald sie die Geschichten hinter den Instrumenten kennen.“

 

Ja, das ist es, was den Geigen ihren besonderen Klang verleiht. Dieses Buch hat mich unglaublich berührt. Geigen sind ganz besondere Instrumente in der jüdischen Kultur. Sie begleiten viele Gebete und waren in den meisten jüdischen Familien zu finden. Davon hatte ich keine Ahnung, genauso wenig wie von der Tatsache, dass es in den KZs Lagerorchester mit Insassen gab, deren Aufgabe darin bestand, die Todesmärsche ihrer Mitgefangenen zu begleiten. Dennoch schenkte die Musik ihnen inmitten all dem Leid und der Zerstörung auch Mut, Kraft und Hoffnung. Somit stellt dieses Buch nicht nur ein wichtiges geschichtliches Zeugnis dar, sondern auch eine Hommage auf die Musik. Amnon Weinstein dokumentiert auch sämtliche Geschichten, welche die Geigen begleitet haben, soweit sie sich rekonstruieren lassen. Denn er ist der Meinung, dass diese Geschichten nicht verschwiegen und vergessen werden dürfen. Aber darunter sind auch viele, welche durch die Musik gerettet wurden.

 

Das Buch hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es wurde nicht von Amnon Weinstein selbst geschrieben, sondern ergab sich wohl aus einer Vielzahl von Gesprächen und Besuchen in seiner Werkstatt. Dabei wechseln sich Passagen, in denen er zu Wort kommt, ab mit solchen, in denen eine die Geschichte eines jüdischen KZ-Insassen erzählt wird. Dessen Schicksal fesselte mich ebenso wie die weisen Worte des alten Geigenbauers. Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen und hat den Lesern dennoch viel zu sagen. Es geht um die Geschichte eines Volkes, das sich nicht entmutigen lassen will, trotz Verfolgung und versuchter Auslöschung. Es geht auch um die Bedeutung der Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung. All dies wird zu einem runden Ganzen verknüpft.

 

Fazit: Ein bewegendes und ermutigendes Buch, das sehr viele Facetten zu bieten hat. Nicht nur für Musikliebhaber empfehlenswert!

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