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Die Evangelikalen

Weder einzig noch artig. Eine biografisch-theologische Innenansicht.

Die Krise der evangelikalen Bewegung ist eine hausgemachte. Dabei geht es vor allem um die eigenen Richtungsstreitigkeiten. Das große Ganze tritt in den Hintergrund, es herrscht Individualismus und Separatismus. Doch die Sehnsucht nach Einheit und Multiplikation wächst. Jürgen Mette weiß, wovon er spricht - kennt die Szene und ihre Facetten sehr genau. Er schreibt dieses Buch für solche, die sich ihrer spirituellen Herkunft und Prägung schämen, und für solche, die sich für die treusten und einzig wahren Freunde Gottes halten. Er schreibt für alle, die sich über Evangelikale wundern, sie bewundern oder sich von ihnen entfremdet haben. Und er zeigt einen Weg der Versöhnung auf.

Mit Gastbeiträgen von Gisa Bauer, Wolfgang Bühne, Heinrich Derksen, Thorsten Dietz, Michael Diener, Tobias Faix, Ulrich Fischer, Andreas Heiser, Helmut Wöllenstein und Johannes Zimmermann.
  • Nr. 817548
  • · Gebunden, mit Schutzumschlag, 13,5 x 21,5 cm, 256 Seiten
  • · 01/2019
  • · Gerth Medien
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Jürgen Mette
Die Evangelikalen (eBook)
Nr. 5517548
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  • „Mette deckt vorhandene innerevangelikale Spannungen auf. Das ist mutig, ehrlich, manchmal unterhaltsam, manchmal schmerzvoll. In jedem Fall dankenswert, denn so hat das noch keiner gewagt“ Christoph Stiba, Generalsekretär des BEFG
  • „Der Autor legt mit diesem Buch ein Plädoyer für demütigen Respekt im Umgang miteinander und im Einander-Verstehenwollen vor. Der Tenor und die Grundmelodie dieser Zeilen würde jeder gerade auch kontroversen theologischen Diskussion mehr als guttun.“ Ekkehart Vetter, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz
  • „Ein mutiges und leidenschaftliches Plädoyer für ein aufrichtiges Miteinander, aus dem Menschen nicht ausgegrenzt werden, und gegen Verurteilungen im Namen des Evangeliums“ Leserstimme
  • „Jürgen Mettes Buch ist nicht diplomatisch. Es ist liebevoll-streitbar. Anklagend-betroffen. Einladend-fundiert. Wer sich in der evangelikalen Szene zu Hause weiß oder sich fragt, was evangelikal eigentlich ist, der kommt an diesem Buch nicht vorbei. Es ist ein Augenöffner im besten Sinne.“ livenet.ch
  • „In seinem neuen Buch setzt er sich kritisch-liebevoll mit seiner geistlichen Heimat auseinander. Herausgekommen ist ein Buch, das jenseits von Schubladendenken Brücken baut. Auf beeindruckend einfühlsame Weise fordert Mette von seinen Mitevangelikalen mehr Gnade im Umgang mit theologischen Fragestellungen - ohne dabei aber ihre zentralen Anliegen und ihren Charakter als Protestbewegung zu leugnen. Gnade im Umgang miteinander - das macht Mette deutlich - hat nichts mit verwässerter Theologie oder überliberalem Wohlfühlchristentum zu tun. Dass dieser Spagat durchweg gelingt, macht sein Buch so besonders. Nicht nur für Evangelikale eine Pflichtlektüre.“ pro Medienmagazin
  • „Es ist ein beeindruckend ehrliches Buch. Gereift in Jahren und Jahrzehnten, 'geschüttelt und gerührt', wie der an Parkinson krankende Autor augenzwinkernd notiert, durch seine Erfahrungen innerhalb und außerhalb der evangelikalen Bewegung. Jürgen Mette leidet an seiner eigenen geistlichen Heimat und liebt sie zugleich von Herzen. Schmerz und Verletzungen sind zu spüren, manchmal auch Frust und Wut. Aber die Gefühlslagen des Autors bleiben immer nachvollziehbar, weil er offen erzählt und beschreibt. Seine Skizze wird nie maßlos. Trotz allem schreibt er seine Evangelikalen nie ab.“ wir (Magazin des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes)

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Hauke Burgarth, 25.01.2019

Angela Merkel nannte die Evangelikalen einmal «intensiv evangelisch». Damit äußerte sich die deutsche Bundeskanzlerin und Tochter eines evangelischen Pfarrers gewohnt diplomatisch. Jürgen Mettes Buch «Die Evangelikalen» ist nicht diplomatisch. Es ist liebevoll-streitbar. Anklagend-betroffen. Einladend-fundiert. Wer sich in der evangelikalen Szene zu Hause weiß oder sich fragt, was evangelikal eigentlich ist, der kommt an diesem Buch nicht vorbei. Es ist ein Augenöffner im besten Sinne.

Jürgen Mette (66) kennt die Evangelikalen gut. Er war und ist selbst einer. In seinem aktuellen Buch findet er viele gute Seiten an diesen «intensiven Christen». Aber er sieht auch, dass sie bei aller Sehnsucht nach Klarheit durch uneiniges und internes Geplänkel zur harmlosen Randerscheinung der Geschichte verkommen. So fragt er: „Warum sollte sich eine immer mehr auseinanderstrebende und geistig obdachlose Gesellschaft für Jesus und die nach ihm benannte globale Körperschaft interessieren, wenn immer wieder einige ihrer Vertreter voneinander abrücken, statt um Gottes Willen eins zu sein und ihren Auftrag gemeinsam zu erfüllen?“ (S. 26).

Was ist eigentlich evangelikal?

Mit einem Blick in Richtung USA scheint für viele schnell geklärt, wer oder was evangelikal ist: Trump-Befürworter. Doch dies ist nur eines von zahlreichen Klischees, das der eigentlich sehr breiten Bewegung innerhalb der Kirche nicht gerecht wird. Und schon gar nicht in Deutschland. Die ungenaue Rückübersetzung des amerikanischen «evangelical» (also evangelisch) zu evangelikal wurde im Laufe der Zeit fast zu einem Kampfbegriff. Mette zitiert den Theologen und Journalisten Andreas Malessa zu diesem Klischee: «Wenn man die Presse verfolgt und auch die eigene evangelikale Presse, dann kommt man leider auf die Faustformel: Evangelikal – das bedeutet ‚Gott schuf die Welt in sechs Tagen‘, ‚Frauen gehören nicht auf die Kanzel‘ und ‚Kinder nicht in die Kita‘ und ‚Schwule nicht in die Kirche‘ und ‚Muslime nicht zu Deutschland‘. Das ist so ein holzschnittartiges Programm geworden, das aber nicht der evangelikalen Gemeindewirklichkeit entspricht.»

Jürgen Mette will kein Kompendium über evangelikale Theologie schreiben. Das haben andere bereits getan (er verweist unter anderem auf Gisa Bauer und Frederik Elwert). Er sieht vielmehr die Stärken und Schwächen der oft als «Stillen im Lande» bezeichneten Christen und setzt sich sehr persönlich, theologisch fundiert, praktisch und immer wieder provozierend damit auseinander. Man merkt deutlich: Hier schreibt einer, der seine Mitchristen liebt. Sonst würde er so nicht reden. Mette schreibt auch nie als endzeitlicher Mahner, der selbstgefällig am Rande steht und anderen deren unabwendbaren Untergang verkündet (natürlich nicht sich selbst!). Im Gegenteil. Immer wieder macht er sich selbst greifbar und angreifbar, indem er sich als Teil der Christen beschreibt, die er kritisiert.

Heraus aus den Schubladen

Lustigerweise benutzt Jürgen Mette ausgerechnet Schubladen, um den Evangelikalen ihr Schubladendenken vorzuhalten. Er unterteilt die Szene in drei Milieus: Allianz-, Bekenntnis- und charismatisch Evangelikale. Und er beschreibt das Mit- und Gegeneinander dieser drei Strömungen und Denkrichtungen so, dass man meint, man lese gerade die aktuelle Idea-Ausgabe.

Im weiteren Verlauf des Buchs geht er sehr konkret auf verkündigungsstarke und gleichzeitig fast sinnentleerte Begriffe wie «Bibeltreue» ein, die zur Abgrenzung gegen fast alles «Böse» eingesetzt werden: Liberalismus, Modernismus, Historisch-kritische Bibelauslegung etc. Der Autor geht auf Ursprünge und Auswirkungen solcher frommen Containerbegriffe ein. Und er versucht wieder und wieder, Brücken zu bauen zum Verständnis jeweils anders Denkender – ob dies nun Unfromme, Kirchenfromme oder Mit-Evangelikale sind.

Biografisch geprägt

Getreu dem Motto: keine Theologie ohne Biografie, wird Jürgen Mette sehr persönlich und schreibt einiges zu seinem eigenen Werdegang. Neben einem erhellenden: «Jetzt kann ich mir vorstellen, warum Sie so denken», werden die meisten Leser dabei wohl mehr als einen Blick in den Spiegel werfen und entdecken, wie sie ihre eigenen Überzeugungen gebildet und weiterentwickelt haben. Es ist sehr nachvollziehbar, was der Autor von Horst, dem Autobahnmissionar, und immer wieder sich selbst erzählt: «Wir wollten treu sein. Aber wir waren trotz aller guten Vorsätze untreu … Ich hatte deswegen ein permanent schlechtes Gewissen.» (S. 51)

Wie er es erklärt, leuchtet es ein, dass sich der Sünder und Sünde eben nicht voneinander trennen lassen. Und dass meine Herkunft und mein Glaube tatsächlich eng zusammenhängen. Mette weiß: «Was ich heute bin, das bin ich erstens durch die Gnade Gottes, zweitens durch die Prägung meiner Eltern, drittens durch das persönliche Bibelstudium und die theologische Reflexion, viertens durch das Leben, das meinen Glauben geformt, erschüttert und immer wieder neu befestigt hat, und nicht zuletzt auch durch Menschen, die aus ganz anderen Prägungen kommen und mir Fremdes zugemutet haben.» (S. 110)

Eine besondere Betonung erhält der biografische Aspekt dadurch, dass Mette sich nicht auf die eigene Prägung beschränkt. Er lädt Gastkommentatoren ein, ihre Meinung, ihre Bedenken, ihren Glauben darzustellen. Wenn irgendetwas in diesem Buch die tatsächliche Breite des evangelikalen Lebens darstellt, dann genau diese sehr unterschiedlichen und ausgesprochen wertschätzenden Äußerungen von Persönlichkeiten wie Wolfgang Bühne (Brüdergemeinde), Tobias Faix (Emergente Bewegung), Ulrich Fischer (Badischer Bischof), Heinrich Derksen (Russlandsdeutscher Theologe) und anderen. Sie sind nicht einer Meinung. Aber sie reden miteinander. Und mehr noch: sie sind trotzdem gemeinsam auf dem Weg des Glaubens unterwegs.

Das letzte Wort hat die Gnade

Nachdem Jürgen Mette zahlreiche Problemfelder beleuchtet, kommt er zum Schluss, dass ein neues Streben nach Einheit sich lohnt. Nach einer Einheit, die unterschiedliche Meinungen und Prägungen zulässt und dem Glauben eine neue Freiheit gibt, sich den wichtigen Fragen zu widmen. Dazu sind viele Schritte nötig: Verständnis füreinander, Streit miteinander, gegenseitige Korrektur und immer wieder das Orientieren an der Gnade Gottes. Wenn es um Gottes Liebe und Versöhnung geht, dann unterstreicht so manches evangelikale Nachfragen: «Ja, aber …», dass die Evangelikalen die Gnade noch nicht begriffen haben (S. 251).

Besteht denn noch Hoffnung für die Evangelikalen? Jürgen Mette zählt vieles auf, das sie konsequent falsch machen, weil sie in ihrem Denken gefangen sind. Bücher wie seines können ihnen (uns!) helfen, aus dieser Engführung herauszufinden. Denn Hoffnung ist da. Genauso wie die Herausforderung: «Die Kirche heilt im Vollzug ihres Auftrags. Sie dient und wird gesund. Oder sie veröffentlicht Papiere und bleibt harmlos … Eine von Jesus entflammte Kirche kann wieder glauben, dass sie möglicherweise ihre beste Zeit noch vor sich hat.» (S. 62)

Lesenswert? Absolut lesenswert!

Kirschbluetensommer, 03.04.2019

Das Christentum spaltet sich in viele verschiedene Denominationen auf. Da gibt es die Katholiken und die Protestanten. Und die sind wiederum in sich gespalten. Da gibt es die Landeskirchen und die Evangelikalen und auch die Evangelikalen sind keine einheitliche Gruppierung, sondern unterteilen sich in unzählig viele kleine Freikirchen, die wiederum miteinander zum Teil im Clinch liegen. Dabei wäre es gut und wichtig, wenn die Christen zueinander finden würden. Mette versucht mit diesem Buch eine Brücke zu schlagen.

Mette legt dabei den Finger in die Wunde und scheut sich nicht, zu sagen, wo es fehlt. Da tritt man bspw. für den Erhalt des Lebens ein und organisiert eine Demo gegen Abtreibung, aber gleichzeitig lebt man keinen nachhaltigen, umweltfreundlichen Lebensstil.

Mit seiner Kritik regt der Autor zum Nachdenken an. Sein Anliegen ist es, dass sich die Leser selbst reflektieren, eigene Prämissen aufgeben und einen Schritt auf andere Evangelikale, auf andere Christen zu machen.

Das Anliegen ist gut, allerdings frage ich mich schon, inwieweit die Umsetzung gelungen ist. Er setzt dabei aber aus meiner Sicht einiges an Wissen bei seinen Lesern voraus. Da sich das Buch aber an Laien und an Theologen richtet, habe ich den Eindruck, dass nicht beide Parteien gleich gut damit umgehen können. Aus meiner Sicht fehlen den Nicht-Theologen, die dieses Buch lesen, wichtige Hintergrundinformationen, die sie benötigen, um manche Gedankengänge nachzuvollziehen. Dies wird besonders bei den Abschnitten um die historisch-kritische Methode deutlich. Da hätte es bspw. mehr an sachlichen Hintergrundinformationen gebraucht. Die benötigt ein Theologe nicht unbedingt, aber Laien, die bis dahin nur einseitige Darstellungen gehört und sich nicht möglichst objektiv der Thematik genähert haben, könnten hier manches falsch verstehen. Das könnte dazu beitragen, dass das Anliegen von Mette bei einigen Lesern nicht ankommt und damit keine Brücken gebaut werden, sondern die Gräben eher noch vertieft werden.

Für mich wurde beim Lesen auch deutlich, dass Glaube eine sehr persönliche Angelegenheit ist, die eng mit der eigenen Biografie verbunden ist. Dies macht der Autor auch dadurch deutlich, dass er seine eigene Geschichte immer wieder einbindet.

Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe in so mancher Beschreibung auch meine Freikirche und meinen eigenen Glauben entdeckt und kritisch reflektiert. Dieses Nachdenken wird auch nach dem Lesen dieses Buches nicht aufhören.

Ein einzigartiges Buch, aber ob die Brücken tragfähig sind?, 07.04.2019

Der 1952 geborene Theologe, Jürgen Mette, lädt in diesem Buch dazu ein, Christen anderer Denominationen anzunehmen. Er selbst ist in einem frommen Elternhaus aufgewachsen, und er ist dankbar für diese Prägung. Nach seinem Theologiestudium arbeitet er als Evangelist, in der Medienbranche und in der evangelischen Allianz.

In späteren Jahren erkrankt er an Parkinson, was für ihn ein starker Einschnitt ist. Vielleicht ist es vor allem dieses Erlebnis, und die Frage nach dem Leid, die ihn zum Nachdenken bringt. Er will sich verändern und wandeln und stets von anderen Christen korrigieren lassen. Manches, das er vorher nicht zu hinterfragen wagte, ist für ihn nun nicht mehr so klar.

Nach einem Einblick in seiner persönlichen Geschichte, wirft Jürgen Mette viele Fragen auf. Er will bibeltreue Christen dazu einladen einen historisch-kritischen Zugang zur Bibel nicht von vorne herein abzulehnen. Er wirbt für Verständnis, wenn es um sexualethische Fragen geht. Dabei gibt er keine Antworten, und der Leser kann seine Ansicht nur erahnen. Es geht ihm wohl auch nicht um Antworten, sondern um ein gnädiges Annehmen des Anderen.

Mit sprachlich pfiffigen und wunderbar anschaulichen Formulierungen („wer Schaum vor dem Mund hat, sollte sich lieber rasieren“) ist das Lesen größtenteils ein Genuss. Menschen, die in der Gemeinschaftsbewegung aufgewachsen sind, werden sich in seinen Kindheitserinnerungen wiederfinden.

Warum trotzdem nur drei Sterne? Das Thema Einheit ist in der Tat sehr wichtig. Nach Johannes 17 ist es Jesus ein großes Anliegen, dass seine Nachfolger sich lieben. Aber auch wenn Jürgen Mette das Problem durch seine Allianztätigkeiten kennt, bietet dieses Buch nicht wirklich eine Lösung an.

Er geht vor allem auf Bibelkritik und sexualethische Themen ein, dabei gibt es viele andere Fragen, die Gemeinden spalten. Welche Ämter dürfen von Frauen besetzt werden? Wann wird getauft? Welche Rolle spielen Geistesgaben?

Bei der Bibelkritik möchte der Autor dem Leser nahelegen, dass Bibellesen immer schon Kritik beinhaltet, denn beim Lesen überlegt man welche Aussagen zeitbedingt sind, und welche uns heute noch betreffen. Im Buch klingt es manchmal so, als sei das Studium der Theologie notwendig, um die Bibel wirklich zu verstehen. Die Geschichte der Kirche widerlegt das. Ob in der ersten Gemeinde oder heute unter verfolgten Christen; viele ungebildete Menschen verstehen weitaus mehr von der Bibel als studierte Theologen. Das liegt mit Sicherheit an der Mitwirkung des Heiligen Geistes beim Lesen, etwas, das keine Wissenschaft erklären kann.

Obwohl das Thema Homosexualität immer wieder aufgeführt wird, bleiben die Aussagen dazu sehr vage. Es scheint, dass der Autor weiterhin zu den bibeltreuen Evangelikalen gezählt werden möchte, aber vielleicht nicht so ganz. Als Leser bleibt man an einigen Stellen verwirrt zurück. Was wurde eigentlich über dieses Thema ausgesagt?

Erstaunlich sind die Aussage im Gespräch mit Wolfgang Bühne. Der Autor sagt an dieser Stelle, dass Pfarrer, die eine leibhaftige Auferstehung ablehnen eher seine Geschwister sind als Christen, die ihm die Bibeltreue abstreiten. Abgesehen davon, dass seiner Meinung nach die Leugnung einer leibhaftigen Auferstehung eine theologische Extravaganz ist, scheint diese Entgegnung sehr lieblos zu sein.

Fazit: Einzigartig geschrieben, mit einer fesselnde Schreibweise und einigen interessanten Denkansätzen, ist es jedoch fraglich, ob der Inhalt tatsächlich hilft Brücken zwischen Christen zu bauen, oder Gräben vertieft.

Cornelia B. -Lesestern, 28.04.2019

Sola Gratia- allein durch die Gnade: das Fundament zum Brücken bauen"Die Evangelikalen- weder einzig noch artig" von Jürgen Mette ist im Verlag Gerth-Medien erschienen und ist eine aktuelle Situationsbeschreibung der evangelikalen Bewegung.

In insgesamt 10 Kapiteln greift Jürgen Mette das Thema der innerevangelikalen Spannungen auf und analysiert deren Ursprung und Entwicklung

Den Fokus legt er auf die sogenannten Nebenschauplätze, unterschiedlich theologische Meinungen in Bezug auf Sexualethik und Schöpfungstheorie, die zu Streitigkeiten und Spaltungen innerhalb der Gemeinden führten und führen.

Stattdessen fordert er uns auf, uns wieder auf die Mitte, Jesus zu besinnen und auszurichten und uns in einem offenen aber respektvollen Umgang miteinander zu begegnen.

Wie das funktionieren kann, zeigt er uns anhand unterschiedlichster Gastkommentare und wiedergegebener Interview- Aufzeichnungen mit Persönlichkeiten, die das Spektrum theologischer Meinungen repräsentieren.

Dabei ist für ihn der christliche wertschätzende Dialog miteinander zielführend und ergänzt zugleich seine Analyse.

Diese ist sehr persönlich, theologisch fundiert und erfahrungsorientiert.

Jürgen Mette selbst gehört zu denen, die er kritisiert und zur Selbstreflektion auffordert.

Er schreibt ehrlich, leidenschaftlich, sprachgewaltig.

Man spürt beim Lesen sein Herzblut für die Sache Jesus.

Manches ist gespickt mit Wortspielereien und man erkennt den Virtuosen der Sprache, wenn er Dinge auf den Punkt bringt.

In den letzten Kapiteln, insbesondere bei Einsichten und Aussichten wird nochmal deutlich, dass es eine Zukunftsperspektive gibt, die im Wahrnehmen des momentan stattfindenden Wandels und des aktiven respektvollen Aufeinander- Zugehen der einzelnen Denominationen geschehen kann, mit dem Ziel voneinander zu lernen und sich zu ergänzen. Damit ein geistlicher Gegenstrom entsteht zu dem was er anfangs sagt:" wir distanzieren und dividieren uns bis zur Harmlosigkeit".(S.46)

 

Mein persönliches Fazit:

Ein Buch,das mich sehr interessiert und beim Lesen lange beschäftigt hat. Immer wieder habe ich Mette's Gedanken reflektiert, gerade auch in Bezug auf meine Gemeinde und deren geistliche Entwicklung. Vieles was er schreibt, kann ich nachvollziehen und feststellen, das ist zutreffend.

Auch meine eigene Biographie habe ich nochmal Revue passieren lassen, dabei war ich stark herausgefordert und manchmal auch angefochten.

Auch in unserer Leserunde bei Lovelybooks kam es zu kontroversen Diskussionen, die den Lesefluss dieser nicht einfach zu lesenden Lektüre zeitlich unterbrachen.

Jürgen Mette's Schreibstil, der eines Theologen gerecht, dem Laien aber nicht immer verständlich ist, hat des öfteren mein Lesetempo verlangsamt. Im Wörterbuch theologische Fachbegriffe nachzuschauen, hat meine Freude am Lesen etwas getrübt und ist für mich ein Kritikpunkt bezüglich der Frage: "wer ist die Zielgruppe dieses Buches"?

Die letzten Kapitel waren für mich besonders wertvoll, insbesondere "Einsichten und Aussichten" und seine provozierende Frage: wo ist die Funktion der Kirche, wenn alle Bereiche in unserer Gesellschaft bereits geregelt sind.

Wo ist der Geist Gottes in all diesen wichtigen existenziellen Bereichen?

Seine Perspektive, die er von der zukünftigen Gemeinde Christi entwirft gibt Hoffnung auf ein Miteinander und eine Einheit in der Vielfalt.

Ich wünsche diesem "Jahrzehnte-Werk", aufgeschlossene Leser und Brückenbauer, dann war es "einen Versuch wert".

 

 

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