23.08.2016

Sefora Nelson

Sefora Nelson über ihr erstes Buch „Gott wird im dunklen Tal persönlich erfahrbar.“

Sefora Nelson ist Liedermacherin, Sängerin, Ehefrau und Mutter und aus der christlichen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Sie inspiriert mit Liedern und persönlichen Geschichten, die von Herzen kommen und unter die Haut gehen. Jetzt gibt es Seforas Gedanken auch in Buchform.

Liebe Sefora, Denn du bist bei mir ist dein erstes Buch. Warum war es dir so wichtig, gerade über den Bibeltext von Psalm 23 ein Buch zu schreiben?

Der Psalm hat mich geradezu verfolgt. Immer wieder haben mich die starken Bilder – grüne Wiesen, stilles Wasser und Schafe „eingeladen”. Die Verse haben es mir einfach wahnsinnig angetan. Der Initialpunkt für mich war der Moment, als ich entschieden habe, dieses Lied von David einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Da ich den Psalm auswendig weiß, habe ich ihn mir Zeile für Zeile aufgeschrieben und genauer angeschaut. Und dabei habe ich eine Entdeckung gemacht, die mich fast umgehauen hat: Der Psalmist wechselt ziemlich genau in der Mitte des Liedes, an der Stelle, wo er vom dunklen Tal spricht, von der erzählenden Perspektive in die persönliche Ansprache. Erst heißt es: Er ist mein Hirte, er weidet mich, er führt mich … Aber im 4. Vers spricht er dann auf einmal Gott persönlich an: „Du bist bei mir”. Gott wird im dunklen Tal für David persönlich erfahrbar. Was für eine Erkenntnis! Ich hatte das vorher noch nie so gesehen.

In deinem Buch schreibst du ja auch sehr persönlich von deinen Erfahrungen mit schwierigen Zeiten – zum Beispiel, als du mit deinem Sohn Nathanael ins Krankenhaus musstest, oder von der Lebensphase, in der du mit deinem Mann Keith erlebt hast, wie beruflich eine Tür nach der anderen zuging. Wie hast du in diesen Zeiten deinen guten Hirten erlebt?


Eigentlich schade, dass man oft erst rückblickend sagen kann, dass er da war. Um den Psalm und seine Verheißungen wirklich zu erleben, muss ich Vertrauen haben. Nicht nur im Kopf („Es wird schon so kommen wie es muss, der Hirte macht es schon irgendwie.”), sondern auch im Herzen. Vertrauen wächst, wenn ich sage: „Jetzt führst du mich. Ich lasse es zu, dass du mich lagerst. Ja, auch jetzt, im dunklen Tal, bist du mir ganz, ganz nah”. Um ehrlich zu sein, wünschte ich, ich hätte Gott mehr vertraut in diesen Zeiten. Ich wünschte, ich hätte damals seine Liebe entdeckt und mich darin ausgeruht. Ja, ich bin eine „Macherin”. Ich liebe es zu arbeiten, und versuche immer, das Beste aus einer Situation zu machen. Aber in seiner Liebe auszuruhen und zu vertrauen, fällt mir immer wieder schwer. Das möchte ich lernen.

Der Herr darf wirklich mein Hirte sein.

Gibt es für dich einen Lieblingsvers aus Psalm 23? Welcher begleitet dich zur Zeit vielleicht besonders?

Im Moment gibt es da keinen speziellen Vers – ich erlebe zur Zeit tatsächlich den ganzen Psalm auf einmal. Mein Sabbattjahr hat vor ein paar Wochen  eher unfreiwillig begonnen: Meine Stimme hatte plötzlich versagt und ich musste kurzerhand alle Konzerte absagen. Interessanterweise hatte Gott mir Wochen zuvor das starke Gefühl gegeben, dass er mich volle Kanne überraschen wird, so, wie es gegen Ende des Psalms heißt: Du deckst mir reichlich den Tisch. Es folgten Zeiten, in denen ich viel geweint habe, Wochen, in denen ich meine geliebte Bühne und das beste Team der Welt loslassen musste, ohne zu wissen, was danach passieren wird. Es war für mich wie ein dunkles Tal. Doch jetzt freue ich mich auf die Zeit, die vor mir liegt. Mein Herz ist voller Frieden und Ruhe, ja, ich kann jetzt sogar eine „heilige Freude” in mir spüren: Freude über die grünen Auen, die stillen Wasser, die Erneuerung meiner Seele. Freude daran, bei ihm Zuhause zu sein. Das Lied „Bei dir bin ich zu Haus” war übrigens, ohne dass ich es wusste, bei meinem letzten Konzert das letzte Lied, das ich gesungen habe.

Gott wird im dunklen Tal persönlich erfahrbar.

Du bist ja vor allem als Musikerin und Songwriterin bekannt. Wie hat dich dein Beruf beim Schreiben des Buches beeinflusst?

Ich habe ja schon immer viel geschrieben und in den Konzerten zwischen den Liedern viele Geschichten erzählt. Eigentlich war es für mich stets das Normalste auf der Welt, Geschichten, Andachten und Reflektionen aufzuschreiben. Ich achte als Singer-Songwriterin immer darauf, dass der Blickwinkel spannend und das Erzählte gleichzeitig so verständlich ist, dass die Worte direkt ins Herz gehen. Auf der Bühne bin ich ja auch immer herausgefordert, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu bekommen – und sie keinesfalls zu verlieren. Das Gesagte muss schön sein, ehrlich und berührend. Darauf habe ich natürlich auch automatisch beim Schreiben des Buches geachtet, und ich hoffe sehr, mein kleines Erstlingswerk ist mir gelungen.

Was wünschst du deinen Lesern?

Ich wünsche ihnen ein Lächeln auf dem Gesicht und tiefe Ruhe. Ich würde mich freuen, wenn durch das Buch die Sehnsucht nach Hause in ihnen entfacht wird und wenn sie sich ganz nah beim Hirten wissen. Ich wünsche mir, dass sie spüren: Er ist mir nahe. Ganz persönlich, ganz konkret. Ja, ich wünsche mir, dass meine Leser sagen: Der Herr darf wirklich mein Hirte sein.

© Gerth Medien 2016

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